r Cosmos
Germinal Roaux, France, Switzerland, Mexico, 2026o
In a remote village in Yucatán, Lena, a 68-year-old lonely widow ravaged by illness, crosses paths with Leon, a 62-year-old Maya man who is the guardian of the secrets of nature and the spirits. Lena finds an unexpected companion in Leon. Despite their differences and their seemingly opposing worlds, a deep connection forms between them.
Der Westschweizer Regisseur Germinal Roaux ist immer für eine Überraschung gut. Nachdem sein Kinodebüt Left Foot, Right Foot von 2013 noch in der jungen städtischen Alternativkultur angesiedelt war, spielte sein zweiter Film, Fortuna (2018), in einem abgeschiedenen Kloster, wo sich die Bruderschaft mit dem Liebesleben ihrer afrikanischen Schützlinge konfrontiert sah. Cosmos nun spielt in einem Dschungeldorf der mexikanischen Halbinsel Yucatan und erzählt von der späten Begegnung zwischen einer todgeweihten einstigen Literaturprofessorin und einem indigenen Bauern, der an Gott und Geister zugleich glaubt. «Erzählt» suggeriert allerdings eine Art von Storytelling, die Roaux überhaupt nicht interessiert. Die Begegnung des Protagonistenpaars findet erst nach einer sehr beschaulichen ersten Stunde statt, in der uns der stets schwarzweiss filmende Regisseur und Co-Kameramann in majestätischen Totalen in die Lebenswelten seiner beiden Figuren einführt: hier das von naturmystischer Religiosität geprägte Dasein eines alternden Kleinbauern, dem der Verlust seines einzigen Besitzes, des Hauses, droht; da das weitläufige Anwesen der früh verwitweten Professorin, die sich zum Sterben von der Welt zurückgezogen hat. Sie wird vom spanischen Altstar Angelina Molina gespielt, er vom indigenen Laiendarsteller Andrés Catzin, ihm läuft ihr Hund zu, sie nimmt ihn bei sich auf: Die gegensätzliche Herkunft prägt ihre Beziehung und spielt angesichts des nahenden Todes, der gegenseitige Fürsorge erfordert, immer weniger eine Rolle. Maliziös könnte man das existenzialistischen Kitsch nennen, der die soziale Kluft negiert, wohlwollend hingegen Reduktion auf elementare Fragen. Bestechend sind so oder so die dichte Atmosphäre und der himmelwärts gerichteten Blick, den Roaux mit dem 4:3-Format unterstreicht, zudem die Musikauswahl, die mexikanische Volkslieder mit geistlichem Barock mischt. Je länger das alles dauert und je schlichter es wird, desto lieber lässt man es sich gefallen.
Andreas Furler
